1999 war es, als dezember und juli als Name zum ersten Mal auf einer Visitenkarte stand – das Logo war schon wie heute, darunter stand allerdings noch «Innovation durch Reduktion». Apropos «stehen»: Da standen die Twin Towers des World Trade Centers in New York noch und das World Wide Web befand sich im Höhenflug – für beides kam dann bald der Crash, auf die eine oder andere Weise. An den neuen Türmen basteln sie noch, das Internet hat sich vom zeitweiligen (Börsen-)Down wieder bestens erholt und zeigt sich in noch nie da gewesener Frische. Da unser eigener Werdegang eng mit der Geschichte des Internets verbunden ist – schliesslich gründet unsere Agentur auf dem Zusammenwirken eines Informatikers und eines Designers – werte ich den derzeitigen Webhype als gutes Zeichen für die Zukunft.

Kürzlich wurden wir bei einer Präsentation als «Jungunternehmer aus dem Zürcher Oberland» vorgestellt. Ein paar Tage später, andernorts, wurde ich als «Mitinhaber einer etablierten Werbeagentur» vorgestellt. Auch das werte ich als gutes Zeichen: Wir sind noch Projektionsfläche für die wildesten Träume. Apropos «wilde Träume». Allerspätestens mit zarten 14 Jahren startet man ja in die Pubertät, blüht als Teenager auf. Man muss sich den Grossen nicht mehr auf Gedeih und Verderb aussetzen, sondern darf auch mal rebellieren – gleichzeitig hatte ich als Teenager auch noch grosse Träume und noch die Energie, an sie zu glauben. Ähnliche Entwicklungen stelle ich auch in unserer Agentur fest. Wir sind viel weiter von «etabliert» weg, als von den «Jungunternehmern». Wir finden auch nicht mehr jedes Spielzeug einfach gleich lustig, sondern sind kritischer. Und wagemutiger, Playmobil auch mal in der Ecke stehen zu lassen für ein gutes Doktorspiel. Wir verstehen uns mehr als verschworene Gemeinschaft, weniger als Sandkastenfreunde. Wir werden uns unserer Kraft bewusst, überrascht von ihrer Wirksamkeit.

Wir haben Pläne, die uns antreiben, Ideen, die einfach nur verreckt gut sind. Unternehmerisch-denkende Outlaws sind wir, mal kriegerisch mit dem Messer zwischen den Zähnen, mal romantisch mit Schmalz. Wie man halt so ist mit 14. Die Welt ist nicht genug. Wenn Du es in Wernetshausen schaffst, schaffst Du es überall. Wenn alle Agenturen den Kreis-5-Hip-und-mit-Projektli-Groove brauchen, wir wollen ihn nicht. Weil wir sind: 14. Da kann man sich noch alles erlauben, man verzeiht einem irgendwann. Wir wollen uns auch nicht dem Kommerzdesign hingeben, hinschluddern wie so viele, «Shoot And Forget» wird niemals unser Tagesmotto. Wir gehen den Dingen angemessen auf den Grund, sind interessiert und lernwillig – schliesslich nimmt man am Gymi Philosophie und nicht Leichtathletik als Freifach. Denn schon mit 14 weiss man: Leicht wird’s nicht.

Dieses Jahr fallen Geburtstag und Ostern zusammen. Auch das werte ich als positives Signal. Die Dinge nähern sich an. Subjekt und Objekt gleichen sich immer mehr, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre kommen endlich wieder zusammen, das Aussen und Innen berührt die Kongruenzgrenze. Ja, das haben 14-jährige Unternehmen 14-jährigen Menschen voraus. Sie sind viel gescheiter.

Ora et labora
Patrick Jauch, Mitinhaber
1. April 2013