Besonders bei Auftraggebern spricht es sich schneller herum, als es manchem Auftragnehmer in unserer Branche lieb ist: Auf 99Designs.com kriege ich eine Flut von Entwürfen für Lau. Jedenfalls für fast nichts. Denn USD 200 für 8 Logo-Entwürfe ist fast nichts. Du brauchst ein Logo oder eine Bieretikette? 277’495 Designer legen sich für Dich ins Zeug. Wahrscheinlich 277’000 davon ohne ein soziales Netzwerk ausserhalb von Facebook, ohne Familie, Mitarbeiter, Krankenversicherung und ohne Aussicht auf eine AHV oder einen BMW, aber was soll’s. Billig ist gut.

Nein, jetzt kommt sie nicht, die Schmähtirade. Das Konzept hinter 99Designs.com ist interessant. Es ist im Grunde ein Crowd Sourcing für kreative Design-Ideen. Wir selbst machen auch ab und zu mit bei solchen Wettbewerben, als Fingerübungen taugen sie allemal und man fühlt sich mal wieder so richtig als einer von 277’495. Und gefühlt sind 277’494 besser als man selbst. Es ist davon auszugehen, dass Crowd Sourcing à la 99Designs.com in unserer Branche Einzug halten wird. Das muss manch einer erst mal wegstecken.

Doch: Das Wohl des Auftraggebers liegt nicht allein im Lucky Punch eines Grafikers aus Rom, Liverpool, Rotterdam oder irgendwo. Das Hammerlogo, der geniale Einfall für das Webdesign: beides braucht sowohl Vor- als auch Nachbearbeitung. Und dazwischen braucht es einen erfahrenen Geist bei der Auswahl. Sie meinen, das sei jetzt allzu schulmeisterlich und reiner Auftragsschutz? Mitnichten.

Die These ist folgende: Auftraggeber – egal ob Unternehmensleitung oder Marketingabteilung – sind in den seltensten Fällen fähig, selbstständig ein weitsichtiges und für Designer verständliches Briefing aufzusetzen, es ist aber zentral für den Qualitätsumfang der später auf 99Designs.com eingereichten Arbeiten. Wie viele Auftraggeber haben beispielsweise schon einmal Aufgabenstellungen für Diplomarbeiten angehender Designer geschrieben? Sehen Sie.

Zudem kennen Auftraggeber – ohne ihnen zu nahe treten zu wollen – meist genau ein Kriterium bei der Bewertung eines Designs: den persönlichen Geschmack. Doch es gibt weit mehr Kriterien: Integrationsfähigkeit, Reproduzierbarkeit, konzeptionelle Skalierbarkeit, kulturelle Kongruenz, Ästhetik. Um nur einige zu nennen. Es gibt bei jedem Design die Frage nach dem Schön und dem Gut. Beides in der Bewertung auseinanderzuhalten ist nicht immer einfach.

Und wieder eine Behauptung: Die wenigsten Auftraggeber können einen Designer (in Rom, Liverpool, Rotterdam oder irgendwo) so führen, dass das Design wirklich passt oder von Dritten in die Unternehmenskommunikation integriert werden kann. Weil Designer schwierig sind. Besonders gute.

Kurzum: 99Designs.com überfordert Auftraggeber, ohne es den Auftraggeber merken zu lassen, weil es Einfachheit vorgaukelt. Einfach ist nur die Teilnahme. Und unbeschwert ist Art und Weise wie sich die Designer um die Aufgabe kümmern: Hab ich eine Idee, mach ich mal was, hab ich keine, suche ich mir einen andern von hunderten Wettbewerben aus. Der Auftraggeber oder mindestens die Aufgabe muss also auch etwas Wert sein. Das ist mindestens sozial.

Zielgerichtete Markenführung wird dank 99Designs.com nicht einfacher. Ganz im Gegenteil. 99Designs.com führt dazu, dass Marken gestalterisch immer besser werden (können) – nahe liegend, wenn ein ganzer Pulk Designer an einem Entwurf arbeiten. Das erhöht den Druck allem voran auf die Kommunikation als Ganzes. Sie muss in gleichem Masse besser werden, denn «aussen hui, innen pfui» will ja dann auch wieder niemand. Und Kommunikation kann man nicht einfach so in einen Wettbewerb schicken. Kommunikation braucht Gespür, Diskussion, Entwicklung, Präzision, Nähe – oder anders gesagt: Kommunikation braucht mehr als nur ein hübsches Logo oder einen netten Prospekt. Viel mehr. Viel, viel mehr.

Wir legen unseren Auftraggebern ans Herz: Nutzen Sie 99Designs.com für insuläre Design Tasks, ja, aber lassen Sie sich helfen. Von uns. Wir sind ein interdisziplinäres Team, das Markenführung und Kommunikation nicht nur aus aschgrauer Theorie kennt. Wir leben mit Marken, Kommunikation und Design jeden Tag. Wir haben als Dozenten hunderte Stunden Bewertungsarbeit hinter uns, hunderte Noten geschrieben, hunderte Designkolloquien mit Studierenden geführt. Und wir haben als Gestaltungsarbeiter mehr Markenstrategien kommen als gehen sehen.

Wir formulieren gerne mit Auftraggebern zusammen das perfekte 99Designs.com-Briefing und übernehmen die Ausschreibung. Wir bringen uns in die Bewertung ein, liefern Kriterien, sortieren, kommunizieren mit den Designern. Wir finalisieren. Wir integrieren. Genau das ist unser Fachgebiet.

Diese Arbeit kostet Auftraggeber neben ein paar zusätzlichen Franken markant weniger Nerven und liefert deutlich bessere Ergebnisse.

Und falls Auftraggeber dann nicht wissen, was Sie nun machen sollen mit ihrem extrem verschärften Logo: Wir sind da. Denn wir wissen, wie man zu einem integralen Kommunikationskonzept kommt, das auf Kundenbedürfnisse eingeht. Wir können Corporate-Designs aufbauen. Wir wissen, wie man eine Website entwickelt, die begeistert und funktioniert. Wie man Prospekte entwirft, Bildkonzepte ersinnt, Photoshootings organisiert und durchführt, wir wissen wo man drucken lässt und wie man Druckdaten aufbereitet. Weil: Genau das ist unser Fachgebiet.

Crowd Sourcing für die Lösungsrichtung, ein «Team Sourcing» für die Lösungsausarbeitung, so wird ein Teil der Zukunft aussehen. Die Agentur wird zum Assembler, zum Montagearbeiter. Verschiedenste Komponenten werden zusammengebaut und der Unternehmenskommunikation zur Verfügung gestellt. Dabei muss man höllisch aufpassen, dass das Bad nicht plötzlich im gleichen Wohnzimmer entsteht, wie die Garage. Das braucht Erfahrung.

Warum wir die besseren Assembler sind als viele andere? Weil wir nie eine Design-Agentur waren. Nie ein Druckvorstufenbetrieb. Nie haben wir uns «Web Agency» genannt. Waren nie eine Kommunikationsagentur, kein Texterkollektiv, kein Fotoatelier, schon gar nicht ein Projektleitungsdienstleister.

Wir waren und bleiben immer alles. Auf höchstem Niveau.

PS. Einige Stunden 99Designs.com (für null Franken auf der Haben-Seite).