Eine kleine Rückschau von Patrick Jauch (Mitinhaber) – Heute haben wir Geburtstag. Genau vor 15 Jahren ging meine Einzelgesellschaft «dezember und juli» an den Start. Eigentlich sollte sie nur einen Sommer halten können, diese Idee von der Selbstständigkeit, diese Vision, hervorragende Unternehmenskommunikation anzubieten, der Glaube, irgendwann mehr als nur einen Kunden zu haben. Aus einem sind nun 15 Sommer geworden. «Innovation durch Reduktion» war mein Motto, aufständisches Gegensteuer zur lauten Umwelt, Information statt Werbung, Geschoss statt Hülse, Konzept statt Planlosigkeit, Typografie statt Fotografie. Es war 1999. Alles sprach von Internet, vom Boom, davon, dass alle in naher Zukunft «online» sein werden. Ich war Technikfreak, Apple-Jünger und verdiente mir etwas dazu als Mac-Supporter in meiner alten Lehrfirma. Nichts lag näher, als mich auf dieses neue Thema zu stürzen. «Interface Design neu begreifen» von Gui Bonsiepe war meine Bibel. Modems die piepten, 28 oder 56 kBaud  Übertragungsgeschwindigkeit, heute nicht mehr auszudenken. Netscape Navigator war noch State-of-the-Art-Browser. Bald merkte ich: «Internetseiten machen» ohne fundierte Informatik- und Programmierkenntnis geht auf Dauer nicht. Damals schon mussten Schnittstellen und Umsysteme und Browser-Zicken berücksichtigt werden. Und ich war kein Informatiker, sondern Typograf.

Und ich merkte schnell: Ein eigenes Geschäft zu haben ist anstrengend. Weil man auch Sachen machen muss, die früher andere gemacht haben. Milli bis anhin «machte die Löhne» in der Admin, Rico und Dieter wirkten in der Kundenbetreuung, zuvor war Walti als Patron der Motor oder Ernst und Dani als Abteilungsleiter die Allwissenden. Sie alle konnten etwas, was ich nicht konnte. Eigentlich war mir das alles bald schon zu viel. Schon nach dem ersten Monat habe ich mich beworben als Marketing Sachbearbeiter bei der Swiss Re. Die haben mich dann aber abgelehnt mit der Begründung: Mit diesem Dossier solle ich doch wirklich nicht Sachbearbeiter werden. Die Dame bei der Swiss Re war sehr nett. Und eigentlich war sie wohl auch der Grund, warum es mit dezember und juli weiterging. Danke.

Dann kam die Fusion mit der SmartSteps Business Solutions GmbH, der Firma von Markus Jung. Er war Technik und Betriebswirtschaft, ich war Design und Kommunikation. Bis heute gilt diese Aufteilung, er Master of Administration, ich Master of Business. Zu zweit waren wir eine richtige Firma und konnten richtig viel richtig gut anbieten. Und so kam bald das wohl Unvermeidliche: Kunden. Und es wurde ein Chrampf. Es kamen mit eduscout.ch und hessdivo.com die ersten Websites für Bildung und Numismatik. Erste grosse Corporate-Designs etwa für Nutricia Schweiz, erste grosse Brand-Designs zum Beispiel für ConnectPeople24.com. Es kamen einsame Nächte in Wolfhausen neben dem Tintenstrahldrucker, die ersten Präsentationen vor hundert Investoren, vor einem Verwaltungrat, vor der Unternehmensleitung. Wie gesagt, es war ein uhuere Chrampf.

Dann folgte bald der Umzug von Wolf- nach Wernetshausen. Das «hausen» war und ist uns wichtig. Es kam mit Birgit Ostertag die erste vollangestellte Mitarbeiterin, es kamen Brettspiele (Ökonomicus) und mehr Kunden. Es hiess, wir seien günstig, engagiert und gut. Keine Künstler, man könne sich uns leisten. Es kamen die Jahre des visuellen Neuaufbaus der Schweizer Bildungsinstitution AKAD, eine Arbeit, die uns guten Ruf beschert hat und auf die wir immer noch sehr Stolz sind. Jahre des Wachstums, Jahre mit Freelancern, den ersten Mitarbeiterwechsel. Jahre des uneingeschränkten Schaffens – im Rückblick Jahre enormer Belastung. Mit Compendio Bildungsmedien AG schufen wir unseren ersten starken Brand, immerhin ist Compendio heute einer der unangefochtenen nationalen Marktleader im Bereich der Bildungsmedien. Von diesem Zeitpunkt an gelang uns sanftes und stetiges Wachstum in kleinen Schritten. Viele MitarbeiterInnen blieben lange, teils bis heute, andere gaben sich nur ein kurzes Stelldichein. Eines ist sicher: wir zählen auf unsere MitarbeiterInnen, sie sind uns wichtig, wichtiger als vieles sonst. Wenn Manager heute vom Human Capital sprechen, wissen wir wohl am besten, wie sich der wahre Wert hinter diesem Schlagwort bemisst. Wer nur an seinen eigenen Vorteil denkt, hat um mich herum nichts verloren.

15 Jahre eigene Firma, das muss man erst mal schaffen. Kommt nun Eigenlob, eine Hymne? Mitnichten. Nur ein kurzer Stopp. 15 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Wer glaubt, man habe es nach 15 Jahren geschafft, liegt falsch. Wer meint, man könne sich zurücklehnen und andere für sich arbeiten lassen, irrt. Ebenso wenig hat man seinen Zenith überschritten. Mindestens in unserer Branche dreht sich die Welt allerdings ein bisschen schneller. Technologische und soziale Trends schlagen bei uns ein wie Meteoriten und als Dienstleister sitzt man immer in der ersten Reihe, egal, in welchem Theater gerade aufgeführt wird. Langeweile gibt es also nie.

Für die nächsten Jahre sind wir gut aufgestellt, wir glauben unser Programm zu kennen. Glauben, die Zeichen der Zeit richtig zu lesen, stützen uns auf eine immense Erfahrung. Eines ist sicher, Geschwindigkeit wird ein zentrales Thema sein. Nicht die oberflächliche Geschwindigkeit, etwa wie schnell ein Auftrag erledigt ist. Nein, viel mehr die Betrachtung der Geschwindigkeit als soziologisches Phänomen. Also wie sich unsere Gesellschaft in einem in vielen Lebensbereichen immer volatiler werdenden Umfeld verhält. Wir entwickeln als Agentur für Kommunikation und Design Schnittstellen zwischen Unternehmen und Markt und betrachten die Spirale zunehmender Geschwindigkeit mit grosser Obacht.

Der Rolle als Verbindungsglied zwischen Unternehmen und Markt war ich mir vor 15 Jahren schon bewusst, als ich in meinem ersten «Firmenporträt» geschrieben habe, dass Kommunikation und Design ein wichtiges Differenzierungsmerkmal in Märkten ist, wo sich Produkte zunehmend ähneln.

Und an dieser Haltung wird sich nichts ändern.