Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft «fög» der Universität Zürich hat das Jahrbuch 2014 zur Qualität der Medien Schweiz herausgegeben. Man sollte das ganze Jahrbuch lesen. Aber eigentlich reicht auch schon die hochwertige Medienmitteilung mit dem Titel «Journalismus unter der Diktatur der Reichweite» (alles unter www.foeg.uzh.ch/jahrbuch.html). Um es kurz zu sagen: Die Medienlandschaft sieht aus wie diejenige im Auftakt zum ersten Terminator-Film. Zerstört, aber mit ein paar noch lebendigen Guten unter den Trümmern.

Die Medienqualität sinkt Jahr für Jahr, Sport- und Human-Interest-Geschichten verdrängten sachliche Berichte von politischer oder wirtschaftlicher Relevanz, wie die Werbewoche über die Erkenntnisse schreibt. «Statt die Welt zu erklären, gebe es einen Trend hin zu Breaking News», schreibt Co-Studienautor Mark Eisenegger. Facebook, Twitter, Pendlerzeitungen, Branding-Days, Mobile Banner, Google AdWords – eine einzige Kackophonie des Unwesentlichen.

Warum uns das als Agentur berührt? Ganz einfach: Einerseits nutzen wir Medien, um unseren Kunden Marktvorteile zu verschaffen. Andererseits kommunizieren wir mit Menschen auf ähnliche Weise, wie dies Journalisten tun. Wir bringen Informationen von uns und unseren Kunden zu anderen Menschen. Wenn man das etwas exaltiert tut, so nennt man das Werbung. Wir haben nichts gegen Reduktion, nichts gegen Verdichtung, nichts gegen Headlines und saftige Copy-Texte. Aber wir haben etwas gegen Idiotie. Weil man mit Idiotie weder etwas verkauft, noch etwas Vernünftiges kaufen kann. Dummheit ist doof.

Wir sind spezialisiert auf die Kommunikation erklärungsbedürftiger Angebote, sind daher eher im Dienstleistungsmarketing als im Konsumgütermarketing Zuhause. Wo und wie bitte schön, sollen Anbieter komplexerer Produkte als einem Billigflug nach Berlin, Menschen erreichen, wenn die Medienqualität weiterhin in diesem Masse sinkt? Oder gilt gar der Umkehrschluss, dass sich niemand mehr für komplexere Produkte interessiert, weil die Medienqualität sinkt? Ist die Medienqualität gar ein Abbild unserer gesellschaftlichen Veränderung? Honi soit qui mal y pense – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Patrick Jauch, Mitinhaber