Es gab in den vergangenen 16 Jahren keine Zeit, in der wir uns so viel mit der «Agentur der Zukunft» beschäftigt haben, wie im letzten Jahr. Nie fiel das Wort «Strategie» häufiger. Nie haben wir uns bewusster gemacht, was wir wollen und warum wir es können. Und warum besser, als andere.

Die sich abzeichnenden, fast unglaublichen Veränderungen im Konsumverhalten, in der Mediennutzung, im Umgang mit Design und im Wirtschaftsgeschehen überhaupt nahmen wir vor etwa 10 Jahren erstmals als vage Andeutungen wahr. Die tatsächlich eintretenden Veränderungen verliefen weder linear noch explosionsartig, sie verliefen exponentiell. Die letzten zwei bis fünf Jahre waren durch die Rasanz ständig erneuerter Parameter geprägt.

Vordringlich stellen wir fest, dass sich erstens das Konsumverhalten punkto Profitmaximierung radikalisiert und sich die Schere zwischen billig/inklusiv und teuer/exklusiv immer weiter öffnet. Zweitens hat die Mediennutzung in Bezug auf Verweildauer und Anzahl Kanäle so enorm zugenommen, dass die Medienbewirtschaftung für Unternehmen jedwelcher Grösse zu einer echten Herausforderung geworden ist und Belege für ökonomische Vorteile für diesen Aufwand weiterhin schwierig zu liefern sind. Drittens sind Designfragen sehr populär geworden, denn Dank Apple ist auf die Spitze getriebenes, kaum je da gewesenes Highend-Design plötzlich massentauglich und ein Massstab, an dem sich fast alles Neue messen lassen muss. Viertens hat Volatilität und Explorativität im Wirtschaftsalltag von KMU beeindruckend zugenommen: Geschwindigkeit multipliziert mit Versuch und dividiert durch Irrtum scheint eine praktikable Formel zu sein – oft allerdings bei gleichbleibend hoher Komplexität der Ausgangslage. Inmitten dieser vier Aspekte steht das Internet, das die Veränderung begünstigt, die Geschwindigkeit ständig erhöht und ja, wahrscheinlich sogar der Grund ist für alles. Es ist D-Time.

Wer so lange dabei ist wie wir, wer 1999 in den kommerziellen Anfängen des Internets erste Webdesigns und ganze Websites entwickelt hat, für den sind die letzten zwei bis fünf Jahre eine Perlenschnur kleinerer und grösserer Wunder. Bis anhin Undenkbares ist plötzlich und wie aus dem Nichts auftauchend möglich. Vor allem die zunehmende Standardisierung bei der Interpretation von Programmcodes durch die Browser ermöglichte vieles. Dank des (langsamen) Aussterbens unsäglich schwacher Browserentwicklungen wie Netscape Navigator (ja, den gab’s mal!), Internet Explorer für Mac (den auch!) oder in jüngerer Zeit des Internet Explorer 6, wurde das Fundament für Entwickler zusätzlich gefestigt, um die technischen Möglichkeiten peu à peu weiter auszureizen. Dank der Open-Source-Stömung und einiger, heute millionenschwerer Nerds, erfand sich das Internet in den letzten paar Jahren irgendwie immer wieder neu. Es mag sein, dass diese Entwicklungen für reine Nutzer einen Eindruck von Natürlichkeit hinterlassen. Für uns als Agentur, mehr oder weniger am Puls des Geschehens, ist es eine Art Dauerlauf im Sprinttempo durch die unglaublichsten Landschaften, die man sich vorstellen kann. Wir sind plötzlich im Wunderland und haben kaum Zeit für das Schlaraffige. Alles scheint möglich. Hier und jetzt.

Heute zeigen Websites wie etwa www.canva.com, was mit Internettechnologie alles möglich ist und Facebook, Twitter oder Instagram beweisen, wie sich Internetapplikationen so fest in unserem Alltag festsetzen können, wie es keine Anwendung zuvor konnte. Weiter lieferte das iPhone (und ihre Ableger) den Beweis, dass ein Gerät so bedeutsam und mit uns verwachsen sein kann, wie es noch nie ein Gerät zuvor war – nicht das Telefon, nicht das Handy, nicht das Auto, nichts. Am ehesten spielen wohl noch elektrischer Strom und fliessend Wasser in der gleichen sozialen Bedeutsamkeitsliga wie das iPhone.

Wir sind überzeugt, dass es einige kritische Erfolgsfaktoren gibt, die ein erfolgreiches unternehmerisches Bestehen in eben kurz beschriebenem ökonomischen Umfeld begünstigen. Genau diese Erfolgsfaktoren haben wir im letzten Jahr markant geschärft oder sie uns wieder ins Bewusstsein gerufen.

Natürlich gehört dazu, sich zu überlegen, was man eigentlich am besten kann (strategisches Kommunikationsdesign) und wem man am meisten Nutzen bringt (kleineren Unternehmen mit Markenbewusstsein und erklärungsbedürftigen Angeboten). Es gehört aber auch dazu, sich als Ableitung daraus selbst zu definieren (als Mikroagentur). Wichtig in dieser «Ökonomie der Veränderung» ist, genau zu wissen, wo seine Stärken liegen (gesamtheitlich angelegte Kommunikationslösungen entlang dem Lebenszyklus kleinerer Unternehmen) und wie sie umgesetzt werden (mit einem effektiven Mix aus Theorie und Praxis bei multilinearer Mediennutzung). Dabei sollte man die Kernkompetenzen nicht aus den Augen verlieren (aussergewöhnliche Kreations-, Konzeptions- und Intuitionsfähigkeit, dekonstruktivistisches Denken, Designkompetenz auf internationalem Niveau, Assembling Qualitys, Medienaufbereitung und -bereitstellung auf der Höhe der Technik, Text, Fotografie/Video inkl. Postproduction, innovativste Web-Programmierung, Begleitung, Beratung und Training). Und Qualität, ja, Qualität spielt immer noch eine Rolle.

Hinzu kommen selbsterklärend einige Klassiker der Erfolgsfaktoren: Tiefe Fixkosten, aussergewöhnlich gute Arbeitsbedingungen, eine schlanke und fein dosierte Organisation ohne irgendwelchen Overhead, die Führung nach finanziellen Kennzahlen, ohne aber den Raum für Experiment und Entfaltung einzuschränken. Und dann natürlich: Die Menschen. Das Team. Der Motor. Der Antrieb.

Wir glauben schon lange nicht mehr, dass wir gut sind. Wir wissen heute, dass wir in der Kombination aus dem Was, Wie und für Wen wir es tun, zu den Besten gehören. Und dafür erst noch genau das richtige Alter haben.

Zum Sechzehnten. 1. April 2015. – Patrick Jauch, Inhaber

 

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Von links nach rechts: Birgit Ostertag (Design), Patrick Jauch (Bon à tout faire), Jérôme Meier (eMedia), Simone Ruppli (Premedia)